Wallfahrt der Hornussen

"Was bleibt, ist dieses einmalige Erlebnis"
275 Pilger haben sich auf die gut 40 Kilometer lange Fußwallfahrt vom schweizerischen Hornussen nach Todtmoos gemacht.

Der vergangene Montag begann für viele Menschen aus dem Fricktal und der deutschen Nachbarschaft sehr früh: Um 5 Uhr trafen sich die Teilnehmer der Fußwallfahrt von Hornussen nach Todtmoos zum Auftakt-Gottesdienst. Diese Wallfahrt ist für viele Menschen aus Hornussen im Kanton Aargau das wichtigste Ereignis des Jahres. Sie lösen das Gelübde ihrer Vorfahren ein, die vor über 400 Jahren versprachen, jährlich zur "Mutter von Todtmoos zu gehen", wenn die Pest sie verschont.

Mittlerweile nehmen nicht nur Menschen aus Hornussen an der Fußwallfahrt tei. Diese zwei Tage der Besinnung haben viele Anhänger gefunden 275 waren es in diesem Jahr. Erstaunlich ist immer wieder, wie viel ältere Menschen dabei sind. Immerhin müssen über 40 Kilometer an einem Tag bewältigt werden – und die ein oder andere kräftige Steigung hat es richtig in sich. Der älteste Teilnehmer war in diesem Jahr 85 Jahre alt, ein früherer Pilgerleiter war schon 56 mal dabei.

Es gibt aber auch etliche, die sich zum ersten Mal auf den beschwerlichen Weg gemacht haben. In der Familie von Isabella Schmid-Reimann aus Hornussen ist es seit Generationen Pflicht, dass mindestens ein Familienmitglied dabei ist. Lange Jahre waren dies ihre Eltern, während sie selbst die Familien und das Haus hütete. Jetzt ist die Pflicht auf Isabella Schmid-Reimann übergegangen und sie hat sich mit einer Mischung aus Freude und Zuversicht darauf vorbereitet. Bei der letzten Pause vor dem Abstieg von der Freiwaldkapelle nach Todtmoos stellt sie fest, dass ihr dieser Tag trotz der Strapazen ungeheuer Kraft gibt und sie freut sich auf die Ankunft in der Wallfahrtskirche in Todtmoos. "Für mich ist jetzt schon klar, dass ich nächstes Jahr wieder dabei bin."

Armin Klink aus Bad Säckingen, ein alter Bergsteiger der Sektion Hochrhein im DAV bekam vor zwei Jahren große Problem mit seiner Achillesverse. Für ihn unfassbar, stand er vor der Situation, das Wandern – sein liebstes Hobby – aufgeben zu müssen. Jeder Schritt bereitete im Schmerzen. Da nahm er sich vor, sollte er wieder wandern können, wird er sich auf den Jakobsweg machen. Tatsächlich konnte ihm ein Physiotherapeut helfen, der ihm zeigte, wie er mit Akupressur das Problem seiner Schmerzen in den Griff bekommt. Die betreute Tour auf den Jakosweg, bei der alles von der Gepäckbeförderung bis zur Hotelübernachtung alles perfekt geregelt war, befriedigte ihn aber nicht. Von einem Freund hörte er von der Fußwallfahrt und entschied sich spontan: "Da gehe ich mit." Etwas unsicher sei er schon gewesen, wie es sein würde, in Zweierreihen im Wechsel von Gebets- und Schweigemarsch und selten im freien Gehen eine solche Strecke in einer großen Gruppe zu bewältigen. Aber alsbald fühlte er sich zugehörig und erlebte den Einzug in die Wallfahrtskirche von Todtmoos als ein einmaliges und tief berührendes Erlebnis.

Bernhard Lindner und Sohn Martin kommen aus Öschgen in Aargau. Bernhard hörte von Mietgliedern der Kirchengemeinde von dem Weg und hatte wenig Mühe seinen Sohn zu begeistern. Der interessiert sich für das Mittelalter und fand so seine persönliche Herausforderung auf einen Weg, den die Vorfahren schon im Mittelalter gegangen sind. Am Ende des zweiten Tages auf ihr Empfinden angesprochen, meinten beide spontan: "Es waren zwei kontrastreiche Tage. Am ersten Tag sengende Hitze, heute orkanartiger Regen. Wir sind durch und durch nass und hundsmüde. Was aber bleibt, ist dieses einmalige Erlebnis, zusammen mit vielen Menschen im Gebet nach schwerem Tag so feierlich in Todtmoos empfangen zu werden und viele glückliche Gesichter zur sehen. Wir sind begeistert."

Eine besondere Aktion hatte der Verein Aktiv Todtmoos geplant. Auf dem Kirchenvorplatz hatte er eine Fußpflegestation eingerichtet, die regen Zuspruch fand.


Balsam für Pilger-Füße

Die Füße mancher Hornussen-Pilger sind vermutlich strapaziert, wenn sie am Montag, 25. Mai, gegen 16.30 Uhr am Ziel ihrer Wanderung bei der Todtmooser Wallfahrts-Kirche ankommen. Um den Pilgern etwas Gutes zu tun, hat sich „Aktives Todtmoos“ etwas Besonderes einfallen lassen: Nach der Andacht in der Kirche warten auf die Pilger Fußbäder und -massagen. Die Idee hatte Leni Faschian. Doris Tittelbach, gelernte Fußpflegerin mit Praxis in Todtmoos, unterstützt die Idee. Sie zeigte sieben Mitgliedern, ausschließlich Frauen, von „Aktives Todtmoos“, wie es geht. Mit der Fußpflegeaktion möchte das Team die Hornussen-Wallfahrt aufwerten und ein Zeichen für die Todtmooser Gastfreundschaft setzen. „Wir wollen, dass die Pilger uns in guter Erinnerung behalten“, sagt sich Leni Faschian.



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